• Claudine Wenger

Für Wissensdurstige: Wie unterstütze ich meine Lungen


Die Corona Pandemie dauert nun schon 2 Jahre und immer mal wieder treffe ich Bekannte und auch Patienten, die nach einer eher leichten Erkrankung Mühe mit der Atmung haben. Da diese Leute normalerweise nicht in Behandlung sind, erkläre ich hier mal etwas zur Lungenfunktion und wie man sie verbessern kann: Ein kleiner Exkurs in die Atemphysiotherapie.


Die Lunge besteht aus einem rechten und einem linken Lungenflügel, wobei der linke kleiner ist, da auf dieser Seite das Herz mehr Platz einnimmt. Das innere der Lunge sieht aus wie ein Baum der auf dem Kopf steht: von der Luftröhre aus geht jeweils eine Hauptbronchie nach links, bzw. rechts und verzweigt sich dann in immer kleinere Äste bis ganz zuäusserst in die Alveolen (Lungenbläschen). Hier findet der Gasaustausch statt: Aus der einströmenden Luft geht Sauerstoff in den Blutkreislauf und aus dem Blut geht CO2 in die Lunge und wird ausgeatmet.


Wenn wir normal atmen, tauschen wir in einem Atemzug relativ wenig Luft aus, nämlich ca. 0,6l. Das volle Volumen der Lunge beinhaltet 6l. Wenn wir maximal Einatmen können wir zusätzlich ca. 3l einatmen (= Inspiratorisches Reservevolumen). Beim forcierten Ausatmen können wir zusätzlich ca. 0,9l ausatmen. Wer mitgerechnet hat, kommt auf 4,5l. Dies ist die Vitalkapazität, also die Menge Luft die ein Durchschnittsmensch bei einem vollen Atemzug austauschen kann. Es bleiben ca. 1,5l, die immer in der Lunge verbleiben (Residualvolumen), damit die Lungenbläschen (Alveolen) nicht kollabieren. Zudem herrscht in der Lunge ein gewisser Unterdruck, damit die Lungenbläschen offen bleiben.


Damit die Atemluft in die Lungen strömen kann, erzeugen wir mit der Atemmuskulatur noch mehr Unterdruck und saugen die Luft so ein. Der wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell. Es grenzt den Brustkorb zum Bauchraum ab und liegt in entspanntem Zustand wie eine Kuppel auf den oberen Bauchorganen. Spannt sich das Zwerchfell an, geht es nach unten und drückt die Bauchorgane weg und der Bauch wölbt sich idealerweise nach aussen. Dadurch erhält vor allem der untere Teil der Lunge mehr Platz und füllt sich mit Luft. Gleichzeitig spannen auch die Zwischenrippenmuskeln (Intercostales externi) an, die den Brustkasten heben und in alle Richtungen vergrössern. Dadurch strömt die Luft auch in die seitlichen und oberen Bereiche des Brustkastens.

Entspannen sich das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln, drehen sich die Bewegungen um und wir atmen wieder aus. Die Einatmung ist also der aktive Teil, die Ausatmung geht von selbst. Wollen wir forciert Ausatmen, nutzen wir dazu die Bauchmuskeln und Zwischenrippenmuskeln (Intercostales interni).


Was sind nun also die wichtigen Punkte, wenn wir unsere Lunge unterstützen wollen?


- Damit alle Bereiche immer wieder gut durchlüftet werden, ist es wichtig regelmässig das ganze Lungenvolumen «durchzuatmen». D.h. voll einatmen und voll ausatmen. Normalerweise tun wir das automatisch ein paarmal pro Stunde. Sind wir aber krank oder haben Schmerzen im Brustbereich tun wir dies nicht mehr von selbst. Dann lohnt es sich, regelmässig ein paar tiefe Atemzüge zu machen. Wie oben erwähnt, ist es wichtig «in den Bauch» zu atmen, damit das Zwerchfell gut aktiviert wird und sich der untere Teil der Lungen gut füllt. Lege also deine Hände auf den Bauch und spüre, wie sich dieser bei der tiefen Einatmung nach aussen wölbt und bei der Ausatmung wieder zurück geht.

Genau so wichtig ist eine gute Bewegung im Brustkasten. Lege also deine Hände seitlich auf die unteren Rippen und spüre wie die Rippen bei der Einatmung nach aussen gehen und bei der Ausatmung wieder zurück.

Und dann legst du noch eine Hand auf das Brustbein und eine auf den Rücken und spüre wie sich der Brustkasten bei der Einatmung nach vorne und hinten ausdehnt und bei der Ausatmung wieder zusammenzieht.

Vielleicht hast du nun auch bemerkt, dass du die Lunge am besten füllen kannst, wenn du eher langsam einatmest und von unten nach oben füllst.


- Bei einer Erkältungskrankheit kann es vorkommen, dass die Belüftung der ganzen Lunge nicht mehr optimal funktioniert. Einerseits weil Sekret die Wege behindert und weil sich Volumen und Druckveränderungen einstellen. Dies führt dazu, dass gewisse Gebiete gar keine Luft mehr bekommen. Hierzu muss man wissen, dass die Belüftung der verschiedenen Lungenareale Schwerkraftabhängig ist.


Das Bild zeigt schematisch die Luftverteilung in der Lunge: Oben ist die Lunge geblähter als unten. In Seitenlage ist also die Seite die oben liegt geblähter. Atmen wir nun voll ein, geht im Verhältnis mehr Luft in die unteren Areale weil da noch mehr Platz ist. Unten wird die Lunge also mehr bewegt und besser belüftet. Oben wird die Lunge gedehnt/geöffnet, aber nicht so gut belüftet (mit frischer Luft, weil ja schon mehr drin ist). In Seitenlage ist dieser Effekt am grössten, da die Bauchorgane auch noch ihren Druck ändern (siehe Schema).

Diesen Umstand können wir super für die Therapie nutzen: Um überflüssiges Sekret aus den Bronchien herauszubekommen, hilft viel Bewegung in diesem Bereich: Die Luft soll hinter das Sekret fliessen beim Einatmen (also langsam einatmen) und dann mit der ausströmenden Luft Richtung Rachen befördert werden. Ist das Sekret dann einmal im Hauptbronchus angekommen, kann es rausgehustet werden. Es empfiehlt sich daher erst langsam auszuatmen und mit der Zeit schneller zu werden, bis am Schluss das Husten kommt. Da man als Laie nicht genau wissen kann, wo das Sekret liegt, macht man am besten beide Seitenlagen. Dabei solltest du mind. 15Min auf einer Seite liegen. Die Tiefatmungen machst du dann mehrmals 1-2min lang.

In Seitenlage kannst du auch die Elastizität der Lunge fördern im obenliegenden Bereich, da diese Seite mehr geöffnet wird. Das kannst du noch unterstützen, indem du den oberen Arm über den Kopf legst und die ganze Seite beim Einatmen lang ziehst.


-Manchmal hat man auch Schwierigkeiten die Luft wieder aus der Lunge rauszubekommen, z.B. wenn Sekret die Wege blockieren oder Alveolen und kleine Bronchien kollabieren (zusammenkleben). Auch hier hilft die oben beschriebene Seitenlage um die Lunge zu säubern und zu dehnen. Damit die Luftwege länger offen bleiben, kannst du zusätzlich die Lippenbremse einsetzen: Du bläst die Luft nur durch eine kleine Öffnung durch die Lippen heraus. Der Widerstand hilft, die Luftwege offen zu halten. Eine weitere Möglichkeit ist, mit einem Röhrchen in ein Wasserglas zu blasen und zu blubbern. Das Blubbern gibt zusätzlich eine Vibration in die Lunge und lockert zähen Schleim. Auch bei diesen Übungen ist es wichtig, möglichst das ganze Lungenvolumen zu nutzen, also ruhig und tief einatmen und voll ausblasen.

Zu guter Letzt ist es auch immer wichtig genügend zu trinken: Das Sekret kann so flüssiger werden, das Lymphsystem arbeitet besser und noch vieles mehr.


Und wenn du regelmässig ruhig und bewusst atmen willst, dann komm einfach in die Tai-Chi Stunden in der EnergieOase® & Chin-Woo!


Autor: Claudine Wenger







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