• Claudine Wenger

Der Sommer aus der Sicht der chinesischen Medizin


Nachdem der Frühling (Holzelement) die Energie nach oben gebracht hat, geht es nun in den Sommer und ins Feuerelement. Nun gedeiht, blüht und reift es. Um mit dem Neijing zu sprechen: „Das Chi von Himmel und Erde vermischt sich. Die 10`000 Dinge erblühen und bringen Früchte hervor.“ Der Sommer ist also die Zeit, wo die Energie nach aussen geht, sich zeigt und der Welt auch etwas gibt. Man denke z.B. an einen Kirschbaum, der voller reifer roter Kirschen hängt, und alle können sich bedienen.


Zum Feuerelement gehört die Freude und die Begeisterung. Es gilt hier, das zum Ausdruck zu bringen, was uns am Herzen liegt, gehört doch der Herzmeridian zu diesem Element. In der chinesischen Lehre spricht man auch vom „Shen“, der Geist oder himmlischer Funke, der im Herzen empfangen wird und von da nach aussen in die Welt strahlt.


Um das Feuer gut zu nutzen, ist es laut chinesischer Medizin wichtig „eine Umhüllung aus Erde oder Metall zu errichten, sonst droht das Feuer auszugehen oder gerät vom Wind angefacht ausser Kontrolle“. Es ist also wichtig die Energie nicht einfach unbändig zu verschleudern. Dies rächt sich sonst im Herbst oder Winter. Im Seelischen heisst dies, dass wir unsere Begeisterung fokussieren. Ansonsten verzetteln wir uns in alle möglichen Richtungen, und im Herbst/Winter wissen wir dann nicht mehr, wohin wir weitergehen wollen. Oder wir sind dann schlicht ausgebrannt. Es ist wichtig, dass unser Herz empfänglich bleibt für „Shen“ und wir unserer Bestimmung folgen, also unserer Begeisterung die aus dem Inneren kommt. Vieles kann uns begeistern, doch was ist das Wichtige/Wesentliche für mich?


Sommer bedeutet also Reifen durch Wärme. (Nicht verbrennen mit übermässiger Hitze) Zu beachten ist, dass nebst dem Herzmeridian auch der Dünndarmmeridian zum Feuerelement gehört. Seine Funktion ist es, zu analysieren was wir aufnehmen und zu entscheiden ob und wo es gebraucht wird, und das Unbrauchbare wieder zu entlassen. Auch hier zeigt sich, dass das Feuer überlegt eingesetzt werden soll. Wir müssen nicht alles verwerten was zu uns kommt. Manches können wir auch weiterziehen lassen.


Auch auf Körperebene ist es wichtig, eine gute Balance zu halten. In der Sommerhitze versteht es sich von selbst, dass wir den Körper nicht noch zusätzlich allzu sehr anheizen sollten, sondern unsere Aktivität eben fokussiert einsetzen. Auch im Körper geht die Energie an die Oberfläche um dort Abkühlung durch Schwitzen zu bringen. Es ist daher wichtig unseren Verdauungstrakt, also das Innere, nicht allzu oft mit eiskalten Getränken oder Glace zu fordern. Das Aufwärmen von eiskalten Getränken und Nahrung erfordert viel Energie, die dann wieder von der Oberfläche zurückgeholt werden muss und dort würde sie ja zum Kühlen gebraucht. Damit erklärt sich auch die Sitte in wärmeren Ländern, warmen Tee zu trinken in der Hitze: Wir schonen damit die Energiereserven im Inneren. Kühlen wir den Verdauungstrakt zu sehr aus, fehlt uns die Energie dann im Herbst und wir werden gleich beim ersten kühlen Wind im Herbst krank (das Feuer geht aus) oder wir holen uns eine Zerrung.


Finde im Sommer also deine Begeisterung. Sie ist der Schlüssel zum Reifen. Und bringe deine Herzensenergie nach aussen in die Welt.


Autor: Claudine Wenger

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